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Funktionen an Bord

Geschrieben von Kapt. Wolfgang Dierks

1. Wachsysteme


1.1. Wachzeiten

Der Tag ist in traditionell in drei Wachzeiten von je acht Stunden aufgeteilt:
  • ,,0-4-Wache“ von 00.00 bis 04.00 (,,Hundewache") und von 12.00 bis 16.00 Uhr,
  • ,,4-8-Wache“ von 04.00 bis 08.00 und 16.00 bis 20.00 Uhr sowie
  • ,,8-12-Wache" von 08.00 bis 12.00 und 20.00 bis 24.00 Uhr.
1.2. Wachgruppen

Die aus Stammleuten und Teilnehmern (nicht: ,,Gästen“) bestehende Besatzung bildet entsprechend der Mannschaftsstärke und der Art der Reise drei oder vier Wachgruppen:

1.2.1. Drei-Wachen-System

Bei Einteilung in drei Gruppen hat jede Wachgruppe eine bestimmte Wachzeit, die sich in der Regel im Verlauf der Reise nicht ändert, aber täglich wechselnde Reinschiff-Stationen.

Wache 1 hat 0-4-Wache und ist (bei all-hands-Segelmanövern) für Schoner-, Großstengestag- und die Vorsegel zuständig, Wache 2 hat 4-8-Wache und bedient die Brassen und die Segel am Großmast, Wache 3 hat 8-12-Wache und die Segelstation Besan. Jede Wache ist außerdem für eines der drei Rahsegel und täglich für eine der drei Reinschiff-Stationen (Keramik, Messe/Nidergänge, Deck) zuständig.

Bei dieser Wacheinteilung wird die Backschaft durch täglich wechselnde Mitglieder aller drei Wachen gemeinsam wahrgenommen.

Vorteil: Der Körper kann sich an den festen Rhythmus gewöhnen, in der Backschaft arbeiten Besatzungsmitglieder aus verschiedenen Gruppen zusammen. Nachteil: Wache 1 mag die tägliche „Hundewache“ nicht, alle Wachen sind immer unvollständig, weil die Backschafter fehlen. Die Vorteile überwiegen erfahrungsgemäß bei längeren Seereisen, insbesondere Überführungstörns.


1.2.2. Vier-Wachen-System

Bei Einteilung in vier Gruppen, die eine Besatzungsstärke von etwa 40 Personen erfordert, wechseln die Wachzeiten der einzelnen Gruppen täglich und die jeweils vierte Wache hat Backschaft, also zum Beispiel: Wache 1 geht am ersten Tag 0-4-, am zweiten Tag 4-8-, am dritten Tag 8-12-Wache und hat am vierten Tag Backschaft. Die Reinschiff-Stationen wechseln mit den Wachzeiten.

Die Segelstationen bei all-hands-Manövern sind in der Regel wie folgt verteilt: Wache 1 Vorsegel, Wache 2 Schoner- und Grossstengestagsegel, Wache 3 Groß- und Großtoppsegel sowie Brassen, Wache 4 Besan und Besantoppsegel. Für die drei Rahsegel sind alle Wachen zuständig (Wache 1 Bram, Wache 2 Mars, Wache 3 und 4 Breitfock).

Vorteil: gerechtere Verteilung und längere Pausen zwischen den Wachzeiten, der Zusammenhalt der Wachgruppen wird gefördert, da die Gruppen die gestellten Aufgaben, insbesondere auch Backschaft, immer als vollständige Gruppe erfüllen müssen. Nachteil: täglich wechselnde Schlafzeiten, 0-4-Wache nach der Backschaft, weniger Kontaktmöglichkeiten zu Mitgliedern anderer Wachgruppen. Die Vorteile überwiegen bei den Jugend­reisen.


1.2.3 Rotierendes Wachsystem

Insbesondere bei kürzen Törns bietet sich eine abgewandelter Wachplan an, bei dem der 4-Stundenrythmus „aufgebrochen“ wird und somit alle Wachen in den Genuss des Fahrbetriebs kommen.


2. Funktionen der Stammbesatzung


2.1. Wachführer

Der Wachführer, der natürlich auch eine Frau sein kann, ist verantwortlicher Leiter einer Wachgruppe und als solcher Vorgesetzter, Vertrauensperson, Freund und Vorbild für alle, also eine Schlüsselfigur für Erfolg oder Misserfolg einer Reise. Besonders von ihm wird erwartet dass er das erlebnispädagogische Konzept der Segelreisen kennt und vertritt. Im einzelnen fallen ihn ihnen folgende Aufgaben zu:

Leitung der Reisevorbereitung, insbesondere Organisation von Empfang und Einweisung der Teilnehmer, Übernahme von Ausrüstung und Ersatzteilen usw., Anleitung und Ausbildung der Teilnehmer im Schiffsbetrieb, insbesondere in Seemannschaft, Navigation, Segeltheorie, Maschinenkunde, Wetterkunde, während der Wachzeit Leitung der Wachgruppe und nautische Führung des Schiffes unter der Aufsicht des verantwortlichen Kapitäns oder Steuermannes, insbesondere Führung des Brückenbuchs, Wetterbeobachtung und Kontrolle des Sprechfunk-Verkehrs, Vorbereitung und Leitung der Backschaft, Durchsetzung des Reinigungsplanes für Kombüse und Provianträume, Leitung der Wachgruppe bei der täglichen Reinschiff-Station, Kontrolle und Sicherung des Riggs auf der jeweiligen Manöverstation, Aufsicht über die Wachgruppe bei der Schlauchboot-Expedition, Nachbereitung der Gruppenerlebnisse durch regelmäßige Gruppengespräche.

2.2. Wachführer-Assistent ("Copilot")

Er oder sie ist ein erfahrenes Mitglied der Stammbesatzung und unterstützt den Wachführer bei der Erfüllung der vorgenannten Aufgaben, insbesondere bei der Anleitung und Ausbildung der Teilnehmer.

2.3. Maschinist

Er oder sie ist verantwortlich für die Schiffsmaschine, alle Hilfsaggregate und sonstigen technischen Anlagen. Er bildet Stammleute und Teilnehmer in der Handhabung der Anlagen aus, um sie zu deren selbständigen Betrieb zu befähigen. Der Maschinist ist in der Regel verantwortlich für die Leitung und Ausbildung der Feuerlöschtruppe.

2.4. Sonstige Stammleute

Sie werden je nach Bedarf den Wachen zugeordnet oder zur Durchführung von Instandhaltungsarbeiten im Tagesdienst außerhalb der Wachen eingeteilt.

3. Die Seewache


3.1. Nautische Schiffsführung

Einhaltung der Verkehrsregeln, insbesondere der Internationalen Regeln zur Verhütung von Zusammenstößen auf See 1972 (KVR72) (besonders Regel 5, 7, 8, 12, 18, 19) und der Seeschifffahrtsstraßenordnung, Setzen der entsprechenden Signalkörper/Lichterführung, Flaggenführung, Überwachung der geschalteten UKW/KW Kanäle, Einleitung von Maßnahmen bei Seeunfall, Mann über Bord, Feuer- und Wassereinbruch an Bord, sowie bei Aufnahme einer Notmeldung.

3.2. Technische Schiffsführung

Setzen, Einstellen, Bergen oder Reffen der Segel, Einsatz und Wartung der Maschinenanlage.

3.3. Ausguck

Ausguck wird auf der Back gegangen. Er dient der Vermeidung von Zusammenstößen mit anderen Fahrzeugen sowie der Beschädigung markierter Netze und Reusen und ermöglicht die praktische Anwendung erlernten Wissens über Seezeichen (Form, Farbe, Bezeichnung und Bedeutung), Leuchtfeuer (Farbe, Kennung, Wiederkehr, Sektorenwechsel), Lichterführung (welche Fahrzeuge, welcher Kurs) und Wetter (Windrichtung und -stärke, Bewölkung, Änderung während der Wache).

Der Ausguck beobachtet ständig und aufmerksam den Seeraum rundum und meldet dem Wachführer Fahrzeuge, Seezeichen, Netze und sonstigen Beobachtungen mit Angabe der Seitenpeilung in Strich. Die Benutzung eines Fernglases ist nicht erforderlich.

Nachts oder bei unsichtigem Wetter prüft der Ausguck stündlich, ob die Positionslaternen des Schiffes brennen.

Am Tage glast der Ausguck mit der Schiffsglocke jede halbe Stunde. Früher wurde dazu die Zeit mit einer Sanduhr, dem "Stundenglas", gemessen. Das regelmäßige Drehen des Stundenglases wurde durch das Schlagen des Schiffsglocke, das "Glasen" angezeigt. Dazu meldete der Ausguck nach achtern: "Auf der Back ist alles klar, die Laternen brennen". Geglast wird die während der Wache vergangene Zeit, für jede halbe Stunde ein Schlag, für jede Stunde ein Doppelschlag. Beispiel: um 14.30 Uhr sind zweieinhalb Stunden der 0-4-Wache vergangen, also werden zwei Doppelschläge und ein einzelner Schlag mit der Glocke gegeben. Bei acht Glas ist Wachwechsel.
  • ½ Stunde = 1 Schlag
  • 1 Stunde = 1 Doppelschlag
  • 1½ Stunden = 1 Doppelschlag und 1 Schlag
  • 2 Stunden = 2 Doppelschläge
Bei jedem Wechsel des Ausgucks, insbesondere auch bei Wachwechsel, werden dem aufziehenden Ausguck die bereits gemeldeten Objekte gezeigt.

3.4. Rudergänger

Der Rudergänger "steuert" das Schiff, indem er selbständig zum Halten eines befohlenen Kurses oder nach Ruderkommandos des Wachführers oder Kapitäns "das Ruder legt".

Hierzu einige Tipps: Die Übertragung der Bewegung des Steuerrades auf das Ruderblatt erfolgt mechanisch. Lasst es Euch vorher zeigen. Die Kräfte, die am Ruderblatt wirken, sind am Steuerrad zu spüren. Immer daran denken, das Schiff dreht sich um die Kompassrose und nicht umgekehrt. Bei Unsicherheit keine Panik, sondern nach vorne schauen: dort erkennt man, wohin das Schiff dreht, und kann dann das Richtige tun. Allgemein gilt: frühes und überlegtes Reagieren erspart unnötiges Kurbeln.

Der Rudergänger hat sich nur auf das Steuern des Schiffes zu konzentrieren. Alles was ablenkt, insbesondere Gespräche, muss unterbleiben! Der Wechsel des Rudergängers erfolgt nie während einer Kursänderung oder eines Manövers, im übrigen nur nach Zustimmung des Wachführers und wird diesem gemeldet.

Bei der Übernahme des Ruders lautet die Meldung an den Wachführer beispielsweise:
  • "Neuer Rudergänger aufgezogen, Ruder mit 100° übernommen."
  • "Ruder abgelöst, Ruder mit 100° übergeben."
Jedes Kommando des Wachführers wird wiederholt, nach Ausführung des Kommandos wird die Ausführung gemeldet und vom Wachführer quittiert.

Ruderkommandos und ihre Bedeutung:

 Nr.
Kommando (D/E)
Beschreibung
 1Mittschiffs/amidshipsRuder durch schnelles Zurück­drehen in die Mittschiffslage bringen
 2Steuerbord/starboard the helmRuder nach Steuerbord legen
 3Backbord/port the helmRuder nach Backbord legen
 4Hart Stb/Bb / hard astarboard/aportRuder bis zur äußersten Lage nach Bb/Stb legen
 5Stb/Bb 10° / port/starboard 10°Ruder um 10° nach Backbord legen (2 Striche auf der Ruderlagenanzeige)
 6Komm auf / ease the helmÜberliegendes Ruder zurückdrehen

Nach der lauten Wiederholung des Kommandos wird dieses ausgeführt. Dann wird die Ruderlage laut und kurz gemeldet: "Liegt mittschiffs" reicht aus, der vollständige Satz würde lauten: "Das Ruder liegt mittschiffs". Der Wachführer quittiert diese Meldung, anderenfalls wird sie etwas lauter wiederholt, bis der Wachführer sie verstanden hat.

Kurskommandos und ihre Bedeutung:

"Recht so!"/"Steady!": Kommt meist nach einer durch Ruderkommando befohlenen Kursänderung und bedeutet, daß der jetzt anliegende Kurs gesteuert werden soll. Kommando wird wiederholt, dann der anliegende und zu steuernde Kurs gemeldet.

"345" oder "drei vier fünf steuern": Das Kommando wird wiederholt, dann das Schiff zügig auf den befohlenen Kurs gedreht. Wenn das Schiff auf den neuen Kurs eingesteuert ist, wird gemeldet : "345 liegt an" (Merke: der Kurs "liegt an", nämlich am Kompass, das Ruder hingegen liegt einfach nur), der Wachführer quittiert diese Meldung.

3.5. Navigation

Rechtzeitig vor Wachübernahme macht sich der Wachführer mit dem während der Wache zu befahrenden Seegebiet vertraut, wählt Karten entsprechenden Maßstabs aus und hält die abziehende Wache an, den Kartentisch aufgeräumt zu übergeben. Zur Navigation gehört, den eingezeichneten Kurs zu halten, die Schiffsposition in regelmäßigen Abständen festzustellen und in eine Seekarte geeigneten Maßstabs mit weichem Bleistift ("B2") einzutragen und auszuwerten, Windrichtung und -stärke durch regelmäßigen Blick auf die See zu beobachten, den scheinbaren Wind zu ermitteln und daraus resultierend die Segelstellung zu prüfen und den Rückschluss zu ziehen, ob der eingezeichnete Kurs gehalten werden kann.

Der Standort ist immer so genau wie möglich und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu erarbeiten (Vergleichsmöglichkeit, Fehlererkennung). Nur durch kontinuierliche Standortermittlung in regelmäßigen Zeitabständen lassen sich schnell Fehler erkennen! Niemals blind den Ablesungen oder ermittelten Messwerten vertrauen - nur eine umsichtige Navigation ist eine gute Navigation. Sind Seezeichen in Sicht, werden diese zur Positionsbestimmung genutzt, die GPS-Anzeige dient dann nur der Kontrolle des bereits eingetragenen Ortes!

Ist auf Grund der Windrichtung das Halten des vorgegebenen Kurses nicht möglich, oder liegt auf Grund anderer Ereignisse der momentane Standort nicht auf der vorgegebenen Kurslinie, so ist sofort eine Prüfung auf nautische Gefahren vorzunehmen und notfalls der Kurs zur Vermeidung einer Havarie zu ändern. Ansonsten ist eine neue Verkopplung vorzunehmen und der Kapitän davon zu unterrichten.

Zur sicheren Navigation gehört ferner die ständige Beobachtung des Verkehrs rund um das Schiff und die Prüfung, ob Kollisionsgefahr besteht. Diese Prüfung erfolgt, indem frühzeitig und bis zur Klärung der Situation Kompasspeilungen (nicht: Seitenpeilungen!) des möglichen Kollisionsgegners genommen werden. Kommt der Gegner näher und die Peilung "steht" oder wandert nur sehr langsam ein (Fahrzeug läuft uns vor den Steven) bzw. aus (wir laufen dem anderen vor den Steven), besteht Kollisionsgefahr, die sofort dem Kapitän zu melden ist.

3.6. Wetterbeobachtung

Beobachtet wird das Wetter zumindest durch den Wachführer ständig. Stündlich werden die Wetterbeobachtungen durch ein Mitglied der Wache im "Wetterbuch" notiert. Eintragungen unerfahrener Teilnehmer werden durch den Wachführer kontrolliert. Zu beobachten sind insbesondere:
  • Windrichtung und -stärke,
  • Luftdruck und Luftdruckänderung, Bewölkung,
  • Luft-/Wassertemperatur,
  • besondere Wettererscheinungen (Hagel, Gewitter ...).

3.7. Kontrolle des UKW-Sprechfunkverkehrs

Auf See ist das UKW-Gerät ständig auf Kanal 16 empfangsbereit, der Außenlautsprecher eingeschaltet. Das eigene Rufzeichen DKQH ist am Gerät vermerkt. Erfolgt ein Anruf oder ein Notruf, so ist die Nachricht mitzuschreiben und sofort der Kapitän zu benachrichtigen.

3.8. Buchführung

Es sind folgende Bücher zu führen:
  • Schiffstagebuch: Kapitän
  • Brückenbuch: Wachführer und mit Navigationsaufgaben betraute Mitglieder der Wache
  • Bunkertafel: Maschinist
  • Wetterbuch: Wachführer und in die Wetterbeobachtung eingewiesene Mitglieder der Wache
  • Weckbuch: Wachführer
Die Eintragungen in den Büchern sollen sauber und übersichtlich sein. Sie müssen alle Ereignisse im Wachablauf lückenlos dokumentieren. Notfalls muss die Reise aus diesen Eintragungen rekonstruierbar sein. Im Falle einer Havarie/Kollision muss man klare Informationen entnehmen können. Die Eintragungen durch Wachmitglieder sind von den Wachführern und Assistenten zu überprüfen. Das Schiffstagebuch ist ein Dokument. Daher sollte es nur vom Kapitän oder Steuermann geschrieben werden.

3.9. Deckswache

Alle Angehörigen der Wache, die keine der vorgenannten Aufgaben erfüllen, halten sich achtern an Deck bereit für Weisungen von Wachführer und Copi, inbesondere zum Trimmen der Segel, zur Kontrolle unter Deck ("Feuerronde"), für "Klar-Deck" auf dem Oberdeck und zur Kontrolle des Verschlusszustandes. Insbesondere nachts darf kein Mitglied der Wache diese Station verlassen, ohne sich beim Wachführer ab- und nach Rückkehr zurückzumelden.

3.10. Wecken

Für das Wecken ist die Wache zuständig. Geweckt werden insbesondere morgens die Backschafter, zum Frühstück auch die Tagelöhner, die aufziehende Wache und rechtzeitig vor all-hands-Manövern (Signal K) die gesamte Besatzung.

Wesentlich beim Wecken ist der Erfolg, der sich wie folgt sicherstellen lässt: Der oder die zu Weckende wird keinesfalls angefasst, sondern mit Namen angesprochen und über die Situation informiert (wie spät, warum wird geweckt, welches Wetter herrscht draußen, welche Kleidung ist erforderlich, usw.). Kojen- oder Kammerbeleuchtung wird angeschaltet. Nach zehn Minuten wird geprüft, ob der gewünschte Erfolg eingetreten ist, sonst nachgeweckt, bis der Schläfer aufgestanden ist.

3.11. Wachwechsel

Der Wachwechsel erfolgt an Oberdeck, nachdem die aufziehende Wache vollständig angetreten ist.
  • Die aufziehende Wache sammelt sich auf Bb-Seite, die abziehende bis auf Ausguck und Rudergänger an Stb.-Seite.
  • Die Wachführer melden sich wechselseitig die Vollzähligkeit ihrer Wachen, der Wachführer der aufziehenden Wache wird über Kurs, Besonderheiten, Anweisungen des Kapitäns und Besegelung informiert.
  • Mit den Worten "Verfang Ruder und Utkiek" bittet der Wachführer der abziehenden Wache die neue Wache, Ruder und Ausguck abzulösen und schickt dann seine Wache in die Freiwache: "Weg de Wach!". Die abziehende Wache wünscht der aufziehenden eine "Gode Wach", die mit "Gode Ruh" erwidert.
  • Die aufziehende Wache löst dann sofort Rudergänger und Ausguck ab.
Der Wachwechsel ist damit vollzogen.

4. Die Anker- und Hafenwache


Ankerwache wird in der Regel nur mit der halben Wachgruppe je zwei Stunden lang gegangen.
Die Ankerwache hat folgende Aufgaben:
  • Regelmäßige Kontrolle der Ankerposition durch Peilungen oder Beobachtung von Radar/GPS, je nach Wetterlage stündlich oder halbstündlich, ab Windstärke 5 Bft fortwährend),
  • Kontrolle der Signalkörper/Lichterführung und Abgabe von Nebelsignalen bei unsichtigem Wetter,
  • Beobachtung des näheren Seeraumes, um sicheres Liegen zu gewähren (damit das Schiff nicht "überlaufen" wird, notfalls Signalgebung mit Typhon oder Signallampe (lt. Regel 35g KVR)),
  • stündlich Wetter aufnehmen,
  • stündliche Feuerronde durch das Schiff,
  • Wecken gemäß der Eintragungen im Weckbuch,
  • Buchführung.
Bei allen erheblichen Wetteränderungen, insbesondere Sichtverschlechterung oder zunehmendem und/oder drehendem Wind ist im Zweifel sofort der Kapitän zu verständigen. Die eingeleiteten Maßnahmen (Signale/Signalkörper/Besetzung des Radar/zusätzliche Kette stecken) sind im Brückenbuch zu dokumentieren.

Die Hafenwache wird an Deck gegangen. Die Wachgänger gehen Feuerronden, führen das Wetterbuch, sorgen für Ordnung an und Nachtruhe unter Deck und verhindern, daß Fremde ohne Zustimmung von Kapitän oder Wachführer das Schiff betreten. Fragen von Besuchern an der Pier werden freundlich beantwortet.

5. Maschinenfahrt


Läuft die Schiffsmaschine, ist von der Seewache ein geeignetes Mitglied zur Überwachung der Betriebsparameter und zu notwendigen Kontrollen der Maschinenanlage/des Maschinenraums einzuteilen. Bei Unregelmäßigkeiten wird der Maschinist verständigt und legt Maßnahmen zur Störungsbeseitigung fest. Im Manöverbetrieb bedient der Maschinist die Anlage lt. Anweisung des Kapitäns oder Wachführers.

6. Maßnahmen der allgemeinen Sicherheit an Bord bei Feuer, MOB und Bergerolle/Rettungsmittel


6.1. Einweisung der Teilnehmer

Damit sich jedes Besatzungsmitglied unter allen Bedingungen sicher an Bord unter allen Bedingungen bewegen kann, erfolgt zu Beginn der Reise eine Einweisung vor Ort in die Handhabung aller Rettungsmittel, die vorhandenen Fluchtwege und die Alarmsignale. Je besser man sich am Tag und im Hafen mit allem vertraut macht, um so sicherer ist man nachts und auf See. Dabei gilt immer die alte Regel "Eine Hand fürs Schiff - und eine Hand für Dich".

6.2. Maßnahmen bei Feuer

Vor Beginn der Reise werden geeignete Besatzungsmitglieder in einen Feuerlöschtrupp eingeteilt, der im Verlauf der Reise mit den Gruppen Löschmaßnahmen übt. Es ist für unser aller Sicherheit von Nöten, dass dabei alles gut klappt und keine Panik entsteht. Durch das persönliche Verhalten (z.B. Einhaltung der Raucherplätze) sollte das Besatzungsmitglied mit dazu beitragen, die Sicherheit des Schiffs und der Besatzung zu garantieren. Prägt Euch bitte beim Schiffsrundgang die Stellen ein, an denen sich Feuerlöscher befinden, damit im Bedarfsfall keine Zeit für die Suche verloren geht. Die Alarmierung aller erfolgt über den Generalalarm (7 kurz, 1 lang) und durch Ausrufen (Feueralarm ...). Danach haben sich alle sofort (also auch barfuß oder in Unterwäsche) auf dem Oberdeck einzufinden.

6.3. Mann über Bord

Entschlossenes und zügiges Handeln garantieren, dass dem über Bord Gefallenen schnell geholfen werden kann. Es ist sofort laut "Mann über Bord" zu rufen, ein Rettungsring, möglichst mit Leine oder ein Ring mit Nachtlicht und Leine zu werfen, der über Bord Gefallene im Auge zu behalten und mit ausgestrecktem Arm auf ihn zu zeigen.

Der Wachführer teilt sofort Mitglieder der Wache ein, den zu Rettenden zu beobachten und ständig auf ihn zu zeigen. Ein weiteres Mitglied der Wache ist mit Fernglas in den Mast zu schicken, um von dort den zu Rettenden im Auge zu behalten. Gleichzeitig wird das Signal "MOB" (3 lang) mit Generalalarm gegeben. Außerdem werden zwei Sprechfunkgeräte für Dingi und Kapitän/Wachführer klargelegt.

Informiert Euch bitte alle, wo genau diese Rettungsmittel hängen und wie man sie schnellstens einsetzen kann. Nicht darauf warten, dass der Wachführer oder sonst jemand etwas einleitet. Unter der Anleitung des bei Beginn der Reise als Dingi-Fahrer bestimmten Besatzungsmitglieds wird das Boot ausgesetzt und die über Bord gefallene Person geborgen.

6.4. Verteilung der Rettungsmittel und Handhabung

An Bord sind Rettungswesten, -ringe und -inseln vorhanden.

Für jedes Besatzungsmitglied steht zumindest eine Rettungsweste zur Verfügung. Die Westen sind an Oberdeck verstaut, ihre Handhabung wird jedem vor der Reise demonstriert. Achtet bitte immer darauf, dass die Weste ordnungsgemäß angelegt wird und alle Bändsel ordentlich straff sitzen. Sollte irgend etwas an einer Weste defekt sein oder fehlen, dann meldet es bitte Eurem Wachführer, damit die Mängel behoben werden können.

Rettungsringe sind an Oberdeck gleichmäßig verteilt. Einige von ihnen sind mit Leine oder Signallampe ausgerüstet. Prägt Euch den Anbringungsort gut ein.

Drei Rettungsinseln sind ebenfalls an Oberdeck verteilt und befinden sich in den runden weißen Behältern. Ihr Einsatz und Handhabung ist im Anhang beschrieben und wird ebenfalls vor Reisebeginn besprochen.

Hinweise: Beim Werfen immer darauf achten, dass sich das Floß nicht an Schiffsteilen oder im Rigg verfängt. Die Reißleine solange ziehen, bis Widerstand zu spüren ist. Dann energisch reißen, damit sich das Floß öffnet. Die Leine ist circa 20 bis 30 m lang - nicht vorher aufgeben. Immer darauf achten, dass das Floß in eine Position gebracht und gehalten wird, die ein Einsteigen ermöglicht; wenn das Floß abtreibt ist es für uns verloren. Die Anweisung, das Schiff zu verlassen wird im Seenotfall vom Kapitän gegeben. Jeder sollte dann entschieden und umsichtig handeln, damit alle Rettungsmittel zum Einsatz kommen können und alle Besatzungsmitglieder gerettet werden können. Wichtig ist auch, dass möglichst alle zusammen bleiben, das erleichtert dann das Auffinden durch die Retter.

Es ist zweckmäßig, sich warme Sachen (auch Schuhe) anzuziehen, bevor das Schiff verlassen wird, um der Unterkühlung vorzubeugen. Gegenseitige Rücksicht und Hilfe beim Verlassen eines Schiffes gehören zur guten Seemannschaft.

Hilfeleistung durch Luftfahrzeuge: Rettungsschlinge frei von Hindernissen halten, nicht vom Windenseil abhaken, Windenseil nicht am Schiff festmachen, nicht unter Deck ziehen und nicht um die Hand wickeln. Die Rettungsschlinge sollte vor dem Berühren geerdet sein, da es sich statisch aufladen kann.

7. Hinweise und Regeln zur Arbeit im Rigg


Die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen bei der Mastbesteigung ist von lebenswichtiger Bedeutung für alle Besatzungsmitglieder sowie auch für das gesamte Schiff. Niemand darf den Mast besteigen, ohne vorher eine Einführung erhalten zu haben. Bei Einhaltung aller Hinweise und Regeln ist es im Rigg nicht gefährlicher als anderswo an Bord. Möglichst sollte jeder Teilnehmer den Mast besteigen. Bei Teilnehmern, die besondere Angst haben, ist eine zusätzliche Sicherung durch ein Jolltau angebracht und möglich.

Im allgemeinen ist Angst ein gutes Zeichen, denn es zeigt, dass der Betroffene sein Bedürfnis nach Sicherheit abschätzt. Sie darf aber nicht lähmend wirken. Die erste Mastbesteigung wird daher in Begleitung von erfahrenen Besatzungsmitgliedern erfolgen. Ebenfalls sollte sich jeder Teilnehmer vorher vergegenwärtigen, welches Tauwerk zum stehenden und welches zum laufenden Gut gehört. Teilnehmer, die sich durch waghalsige Aktionen im Rigg hervortun wollen, sind fehl am Platz. Bei wiederholten Verstößen wird der Wachführer ein Mastverbot aussprechen.

Gegenseitige Hilfe und Kritik bei Arbeiten im Mast sollten Bestandteil des guten Tones an Bord sein. Wenn Werkzeug mit in das Rigg zu nehmen ist, muss es gesichert werden (denkt auch an den Inhalt in Euren Jackentaschen!), denn es liegt schneller am Oberdeck als man denkt. Ebenfalls vorher darauf achten, dass bestimmte Teile des Oberdecks Notwendigenfalls gesperrt werden.

Wichtig: Jede Person, die in die Wanten geht, muss einen Sicherheitsgurt tragen. Vor dem Aufentern dem Wachführer Bescheid sagen, damit Unfälle bei Segelmanövern vermieden werden.

Aufsteigen immer in der Luvseite, so wird man vom Wind in die Wanten und nicht davon weggedrückt. Eventuell herunterfallende Teile fallen von einem weg.

Immer in die Webleinen treten und in die Wanten fassen, so hat man bei einem eventuellen Bruch einer Webleine immer zwei feste Haltepunkte.

Man beachte: immer beide Füße und eine Hand - oder beide Hände und einen Fuß in eine sichere Position bringen, mit der anderen Hand/Fuß neuen Halt suchen.

Immer von laufendem Gut fernhalten - nicht daran festhalten. Beim Seitenwechsel auf der Saling immer dicht am Mast bleiben. Beim Betreten und Verlassen der Fußpferde muss jeder dieses laut ankündigen mit "Wahrschau Fußpferd". Dadurch wird für alle anderen klar, dass jemand das Fußpferd betritt und es aus diesem Grund wackeln kann, bzw. sich durch das zusätzliche Gewicht die Höhe des Fußpferdes verändern kann.

Vor der Besteigung empfiehlt es sich, den Sicherheitsgurt auszuprobieren. Er muss gut sitzen (passend einstellen). Dazu irgendwo einhaken und vorsichtig in den Gurt sinken lassen.