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Ankern Grundlagenwissen

Eines der wichtigsten Instrumente an Bord ist der Anker. Neben der Möglichkeit einen Zeitraum relativ sicher an einem Ort zu verbringen, ist er ein unverzichtbares Mittel in Notsituationen, wie beispielsweise bei Maschinenausfall, größeres Unheil zu vermeiden.
Bevor wir uns das Ankermanöver genauer ansehen, sei an dieser Stelle erwähnt, dass mit Vorliebe die "Landratten" behaupten, den Anker zu werfen. Bei einem Gewicht von über 20 kg bei einem sehr kleinen und handlichen Anker auf einem Boot, dürfte das allerdings einige Probleme bereiten. Bei Anker auf Schiffen ist das schlechthin unmöglich. Aus diesem Grund heißt es natürlich "fallen Anker".
 
Ein Anker ist je nach Typ (siehe Ankertypen) sehr schwer und muss einiges aushalten können. Hervorgerufen durch Wind und Strom wirken auf Spill, Anker und Kette enorme Kräfte.
 
Allen Ankern ist eines gemein, sie sollen größtmöglichen Halt geben. Das Funktionsprinzip ist dabei stets das Gleiche. Nach dem Ausbringen des Ankers wird dieser einige Zeit über den Grund gezogen und gräbt sich mit den Flunken ein. Das kann ein Anker aber nur, wenn die Kräfte horizontal, d.h. parallel zum Grund wirken.
 
 
Damit diese Kräfte optimal umgesetzt werden können, muss die ausgebrachte Ankerkette in Abhängigkeit des Meeresgrundes entsprechend lang sein. Sobald die Kräfte nicht parallel zum Untergrund verlaufen, besteht die Gefahr, dass der Anker aus dem Grund bricht. Damit dieser Verlauf der Ankerkette gewährleistet ist, geht man je nach äußeren Umständen von einer Ausbringungsmenge vom 3 bis 4-fachen der Wassertiefe aus. Es gilt der Grundsatz: je mehr Ankerkette desto besser.
 
 
Diese Theorie geht wie beschrieben von einem horizontalen Untergrund aus. Sollte der Grund aber abfallen, hält der Anker durch den ungünstigeren Winkel bedeutend schlechter. Noch mehr Kette müsste ausgebracht werden, damit diese weiterhin durch Aufliegen auf dem Grund wirken kann. Es gilt, je steiler der Untergrund abfällt, desto schlechter der Wirkungsgrad des Ankers.
 
 
Beste Ergebnisse werden auf Sand, Ton und Lehm erreicht, wobei gut geeignete Ankergebiete u. a. in Seekarten verzeichnet sind. Weniger geeignete Untergründe sind stark bewachsene und steinige Böden. Aus der Anmerkung aus dem vorherigen Kapitel lässt sich herleiten, dass die Wassertiefe nicht mehr als 1/3 der zur Verfügung stehenden Ankerkette sein sollte.

Der Radius, den das Schiff um den Anker drehen kann (das Schiff schwoit), muss gewissenhaft vor dem Ankermanöver berücksichtigt werden. Es ist also abzuwägen zwischen einer ggf. zunehmenden Wassertiefe bei größerem Landabstand und gleichzeitigen verringernden Abstand zum Land. Beim Aussuchen einer geeigneten Ankerstelle sollte stets auf eine gute Landabdeckung (ablandiger Wind) geachtet werden. Zum einen ist die Windkraft geringer, zum anderen wird das Schiff vom Land weg getrieben.
Damit die Kette nicht komplett ausrauschen kann, ist sie in der Regel mit dem Schiff über einen Slipphaken verbunden. Dieser kann bei Gefahr schnell gelöst werden und somit die Verbindung zum Schiff gekappt werden.
 
Beim Fallen des Ankers ist zu beachten, dass das Ankerspill erst aufgestoppt wird, sobald der Anker den Grund berührt hat (siehe Ankermanöver). Zum Ausstecken der Kette wird entweder Wind, Strom oder Maschinenkraft genutzt. Wichtig ist bei diesem Manöver, dass die Kette entsprechend der Schiffsbewegung ausgesteckt wird, damit die Kette nicht auf einem Haufen oder noch schlimmer auf dem Anker zu liegen kommt. Daher sollte die Kette immer auf Spannung gefiert werden.
 

 
Die Länge der ausgebrachten Kette wird üblicherweise auf Booten in 5 bzw. 25 Meter Einheiten bzw. auf Schiffen in Schekeln (27,45 Meter = 15 Faden [1,86]) angegeben. Zur besseren Einschätzung der ausgebrachten Menge sind die Längeneinheiten farblich markiert und ggf. zusätzlich mit Drahtbindungen gekennzeichnet. Der Schiffsführung werden die ausgebrachten Einheiten über die Schiffsglocke mitgeteilt (siehe "Fahren des Ankerspills").

Wer beim Ankern mit einem Patentanker ganz sicher gehen möchte, dass der Anker im richtigen Moment ausrauscht, steckt den Anker über das Spill soweit vor, dass der Stock aus der Klüse freiläuft.

Das Ankermanöver läuft so ab, dass die Ankerstelle möglichst gegen Wind und Strom angelaufen wird. Das Ankerspill wird bei angezogener Bremse ausgeschifftet und die notwendigen Signale (Ankerball und Ankerlicht) werden vorbereitet. Nachdem das Schiff aufgestoppt wurde und leichte Fahrt achteraus macht, fällt der Anker. Die Länge der ausgesteckten Kette muss der Schiffsführung mitgeteilt werden. Ein Indiz, dass der Anker greift ist, das Eintörnen des Schiffes. Als letztes den Ankerort in das Schiffstagebuch eintragen und geeignete Kreuzpeilpunkte suchen. Diese werden fortlaufend mit dem GPS-Ort überprüft. Der Abstand zum Land kann ebenfalls sehr gut über ein Radargerät bestimmt werden. Um ggf. ein Schwoien des Schiffes besser einzuordenen, ist es sinnvoll ebenfalls das Wetter angemessen zu dokumentieren. Des Weiteren wird durch Fühlen der Ankerkette überprüft, ob der Anker greift. "Schrubbert" er über den Meeresgrund, ist das i.d.R. durch Vibrationen an der Kette zu spüren.
 
Das Aufholen des Ankern geschieht prinzipiell in umgekehrter Reihenfolge. Die Kette wird zunächst kurzgehievt (verkürzt). Mit größter Wahrschau wird nun die Kette weiter gehievt. Die eingeholte Kette wird an die Schiffsführung mitgeteilt.