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Erste Hilfe an Bord

Zunächst einmal habe ich vergeblich nach einer brauchbaren Erste Hilfe Fibel im Internet gesucht. Nichts - rein gar nichts. Das Internet wird halt zunehmend ein Angebotskatalog mit dem, was man kaufen kann. Aus diesem Grund ist der kurze Erste Hilfe Bericht aus dem Leitfaden hier abgedruckt. An dieser Stelle sei eines deutlich gemacht: Es stellt ein Überblick von Laien für Laien dar und soll lediglich einmal praktisch Erlerntes wieder ins Gedächtnis rufen.

Sich der Theorie hinzugeben, die Erste Hilfe Fibel zu lesen und diese im Bedarfsfall anwenden zu können, scheint sehr leichtsinnig. Aus diesem Grund wird in diesem Kapitel nicht auf die Herz-Lungen Wiederbelebung eingegangen, sondern „nur“ auf allgemeinere Situationen.



Das Bewusstsein des Menschen zeichnet sich durch die Fähigkeit aus, sich räumlich/zeitlich zu orientieren, auf Fragen zur Person zu antworten und auf Reize zu reagieren. Verunglückte können dieses oft nicht bzw. nicht richtig. Hier ist es wichtig Sicherheit zu geben. Dem Verunglückten das Gefühl zu geben, dass ihm geholfen wird ist sehr wichtig.

Puls kontrollieren: Wird am Handgelenk der Puls kontrolliert, dann nicht mit dem Daumen, da sonst u.U. der eigene Puls gefühlt wird. Wird am Hals gemessen, dann nur mit dem Zeige- und Mittelfinger. Den optischen Eindruck des „Erwürgens“ beim Verletzten durch eine Ankündigung entschärfen. Der normale Puls eines erwachsenen Menschen liegt bei circa 60-80 Schlägen in der Minute. Weiterhin ist festzustellen, ob der Puls stark, schwach oder kaum fühlbar und regelmäßig, teilweise regelmäßig oder vollkommen unregelmäßig schlägt.

Ereignis    Symptome
Hilfe
Nasenbluten
Blut läuft aus der Nase
Kopf leicht nach vorne beugen (nicht nach hinten!), Eiskissen oder kaltes feuchtes Tuch in den Nacken legen
Elektrounfall
Meist aus der Situation erkennbar. Muskelkrämpfe, Strommarken (Wunden hervorgerufen durch Stromeintritt, bzw. Stromaustritt)
Eigen- und Fremdgefährdung ausschließen (Strom abschalten), Vitalfunktionen prüfen und ständig kontrollieren (siehe „Auffinden einer Person“), Strommarken (Brandwunden) versorgen, Arzt konsultieren
Verätzung
Rötung und angegriffene Haut
Betroffene Kleidung entfernen, mit viel Wasser abspülen und Arzt zu Rate ziehen.
"Beinahe ertrinken"
Meist aus der Situation erkennbar. Vorsicht beim Annähern an einen Ertrinkenden. Oftmals verliert dieser durch Panik die Wahrnehmung des Realen und schlägt um sich. Den Verletzen durch das Schott (waagerecht) ins Hospital bringen. Achtung: oft geht das „Beinahe ertrinken“ mit einer Unterkühlung des Opfers einher.
Bergung in waagerechter Position. Retten aus dem Wasser, Vitalfunktionen prüfen (siehe „Auffinden einer Person“), vor Unterkühlung schützen, Arzt zu Rate ziehen (nicht wie früher angenommen auf den Kopf stellen oder auf den Brustkorb drücken um Wasser aus den Lungen zu entfernen!)
Hitzschlag
Hautrötungen, heiße, trockene Haut, Benommenheit, höhere Körpertemperatur, schneller Puls, Kopfschmerz, Übelkeit und Erbrechen. 
Person an kühlen, schattigen Ort bringen, Kontrolle der Vitalfunktionen, Kleidung öffnen, mit feuchten Tüchern kühlen, Wasser verabreichen, Betreuung und Ruhe
Insektenstiche
Auf der Haut durch Rötung und Jucken/Brennen erkennbar. Im Rachenraum kann es durch Anschwellen der Schleimhäute und Zunge schnell zu Atemnot kommen.
Auf der Haut: Kühlen, wenn sichtbar, Stachel entfernen

Im Rachenraum: mit Eis kühlen und sofort in ärztliche Versorgung geben. Eventuell unterstützende Atemspende.
Krampfanfälle
Langandauernde Muskelspannungen oder schnell aufeinander folgende Muskelzuckungen. Plötzliches Umfallen, nicht ansprechbar, u.U. blutiger Speichelausfluss (Zungenbiss), anschließend, u.U. Bewusstlosigkeit bei normaler Atmung, später kein Erinnerungsvermögen an den Anfall.
Ursachen können vielfältig sein. Gegenstände, die zu Verletzungen führen können, aus der Umgebung des Betroffen entfernen, krampfende Körperteile nicht festhalten aber Obacht geben, dass der Krampfende sich nicht selbst verletzt; nach Krampfanfall: stabile Seitenlage und kontrollieren der Vitalfunktionen.
Verbrenungen
Schmerz, Hautrötung, Blasenbildung, tiefergehende Gewebeschädigung.
Kleiderbrände sofort löschen,
brennende Person aufhalten;
in Wolldecken hüllen, Flammen ersticken.
Bei Verbrühungen: Kleidung entfernen; bei gleichzeitiger Kaltwasseranwendung
verbrannte Stellen lange mit kalten Wasser kühlen,
niemals Verletzten ganz in kaltes Wasser tauchen - Schock!
Eingebranntes Gewerbe auf keinem Fall entfernen, trotzdem kühlen!
Erfrierungen
Wind und Nässe unterstützen den Kälteeffekt, Erfrierungen:

I. Grades: Blässe, Schwellung,
Schmerz;

II. Grades: blaurote Haut;


III Grades: Gewebsuntergang
(regionale Schmerzfreiheit)
In jedem Fall: keinen Alkohol geben! Dieser würde zur weiteren Schwächung führen.
I. Grades: aufwärmen, trockene Kleidung, bewegen (aktiv aufwärmen, mit lauwarmen Wasser abduschen)
II. Grades: keine aktive oder passive Wärme zuführen, zuckerhaltige Getränke geben
III. Grades: nicht bewegen, sonst wie bei II. Grades.
Sonnenbrand
I. und II. Grades, von Rötung bis Blasenbildung
Aus der Sonne gehen, feuchte Umschläge, Wunden steril abdecken, Flüssigkeit zu sich nehmen. Kühlen, kühlen, kühlen, erst dann Cremes auftragen.
Schock
Schneller und schwächer werdender Puls, fahle Blässe, kalte Haut, frieren, Schweiß auf der Stirn, Teilnahmslosigkeit. Symptome treten nicht alle gleichzeitig auf!
Ständige Betreuung, Ruhe, Schocklage (Flachlagerung des Oberkörpers mit schräg hochgelagerten Beinen), Vitalfunktionen kontrollieren.
Unterkühlung *1
I. Phase: Frösteln, zittern, schneller Puls, vertiefte Atmung, Blässe II. Phase: zunehmende Schläfrigkeit, verlangsamter Puls, Blutdruckabfall
III. Phase: Bewusstlosigkeit, langsamer, u.U. unregelmäßiger Puls
IV Phase: Atemstillstand, HK-Stillstand
I. Phase: Kälteeinwirkung beenden, trockene Kleidung, bewegen, trinken*2)
II. Phase: Wachhalten, Vitalfunktionen überwachen *3)
III. Phase: Umgebungstemperatur darf nicht zu hoch sein
IV. Phase: Lebenserhaltene Maßnahmen
Bei jedem Unfall
Betroffene sind meist verwirrt, verängstigt und oftmals peinlich berührt
Es ist für die Psyche des Verletzten besonders wichtig, ihm Mut zuzusprechen, Ruhe auszustrahlen und vor allem zu beruhigen. Schaulustige und zu viele Helfer können den Verletzten verunsichern und stärkere Angstgefühle herbeiführen. Auch im stabilen Zustand sollte er nicht alleine gelassen werden.
Vergiftung
 Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, plötzlich auftretende Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel, Veränderung des Puls, Bewusstseinstrübung.
Unbedingt Arzt zu Rate ziehen! Wichtig ist zu bemerken, dass der Umgang mit Farben und Lacken an Bord besonderer Vorsicht bedarf. Mennige enthält beispielsweise eine Bleiverbindung, die einen Atemschutz (beim „Rost-klopfen“ mindestens Staubfilter) unbedingt erforderlich machten.

Ein Unglück an Bord mit Personenschaden ist kein Anlass „Mayday“ zu geben. Eine Pan Pan Meldung wäre bei MOB angebracht. Hierfür ist die Schiffsführung zuständig. Einen Arzt konsultieren heißt auf See:

  1. Über UKW/Grenzwelle funkärztliche Hilfe beantragen (Medico).
  2. Rettungshubschrauber/Rettungskreuzer herbeirufen.
  3. Arzt vom nahegelegenen Schiff zur Hilfe kommen lassen.



*1) Um die umgebene Wassertemperatur in Beziehung zur wahrscheinlichen Überlebenszeit zu setzen, seien im folgenden einige Beispiele, entnommen aus dem „Deutschen Ärzteblatt“, aufgeführt: 0°C ~ 12 Minuten; 2,5°C ~ 26 Minuten; 5°C ~ 55 Minuten; 10°C ~ 160 Minuten; 15°C ~ 380 Minuten; 20°C ~ 980 Minuten; 25°C > 3 Tage

*2) Warme Getränke: selbstverständlich ohne Alkohol, keinen Kaffee (Kreislauf), Getränke gezuckert

*3) Bedenke: bei unterkühlten Personen ist der Stoffwechsel verlangsamt -> mögliche Herzfrequenz: 30-40 Hz, Atem 5-8 Atemzüge pro Minute.